ADAC-Ortsclub Ulm/Neu-Ulm e.V.

  Sonnenbrand und Hagelschauer

(24h-Rennen Nürburgring 27.-29.05.2016)

Fronleichnam und der folgende Brückentag schienen ein optimales Zeitfenster für den Besuch des 24h-Rennens zu sein. Also Fressbox und Campingequipment in den Kombi gepackt und los. Meine Recherche zum Rennen hatte einige gute Ratschläge ergeben, aber keine Mitfahrer – dann also Solo.

Die 450km bis zum Ring waren in gut 4h zu bewältigen. Die Meteorologen hatten für die kommenden Tage sehr wechselhaftes Wetter für die Eifel prognostiziert. Einen Vorgeschmack davon bekam ich schon beim Abfahren von der Autobahn: Das Zielgebiet empfing mich mit einem ausgewachsenen Wolkenbruch. Es fand sich ein Platz in der Nähe des GP-Kurses. Am Freitag Nachmittag sollte noch nicht viel passieren: 24h-Historic (3h-Rennen), 24h-Top30 Qualifying und Pitwalk. Die Ulmer Andreas und Ralf Schall kommen beim Historic-Rennen im 190er auf Gesamtrang 3 ein. Ein interessanter Farbtupfer auch der Skoda 130RS u.a. pilotiert von Mathias Kahle. Das Top30 Qualifying kann Maro Engel im Black Falcon Mercedes SLS in 8:14.515 für sich entscheiden.  Startplatz 2 erringt Augusto Fahrfus im Schubert BMW M6, von Platz 3 geht der Haribo Mercedes mit Maxi Götz auf die Reise. Inzwischen konnte ich auch begutachten, welcher Zirkus um die Rennstrecke entstanden war. Bei meinem letzten Besuch im Rahmen der Deutschland-Rallye vor 25 Jahren, stand nur das Hotel und das Museum. Da hatten die Nieten in Nadelstreifen grandios Unsummen in den Sand gesetzt. Scheinbar konnten die Manager sich nicht vorstellen, dass die Läden, Hotels, Kneipen und Event-Areale keiner besucht, wenn nicht gerade Rennen stattfinden. Und auch die Landesregierung Rheinland-Pfalz hatte dabei als Teilhaber eine unrühmliche Rolle gespielt. Beim Pitwalk war Gelegenheit, auch mal in die Boxen zu schauen. Der Bogen spannt sich von kleinen Privatiers bis zu den Werksteams mit Kommandoständen, die der NASA zur Ehre gereichen würden, mit Extra-Zelten für die vielen riesig breiten Schlappen und gut bestückten Ersatzteillagern. Auch das Moderatoren Duo Alex Hofmann und Timo Glock ist bei der Arbeit zu sehen. Gegen 22:00 Uhr krabbele ich in den Kombi, doch die Party ringsrum war noch voll im Gange. Die Ohrenstöpsel konnten nur wenig helfen. Der DJ hatte dann 0:30 Uhr Feierabend gemacht – Nachtruhe.

Der Samstag Morgen hatte strahlend blauen Himmel zu bieten. Ich hatte einen wütenden Fluch gegen die Wetterkundler geschleudert und mich zum Warmup zum Hatzenbach aufgemacht. Da war dann aus nächster Nähe zu sehen, welche enormen Geschwindigkeiten die Schnellsten in Kurven und auf den Geraden an den Tag legten. Die Fans hatten sich mit zum Teil atemberaubenden Konstruktionen zum Zuschauen oder Campen eingerichtet. Ein Witzbold lief mit einem T-Shirt „Seine letzten 24h in Freiheit“ herum. Das Audi-TT Cup Rennen fand ich nun nicht so aufregend. Jedesmal ging ein Raunen durch die Mercedes Tribüne, wenn mal ein Wagen neben die Strecke geriet. Als Rallye Zuschauer war ich das ja gewohnt. Jetzt war die WTCC an der Reihe – auch ein Grund meines hier seins. Rennen 1 verfolgte ich von der Tribüne aus. Mit Blick auf die Videowand liess sich das Rennen gut verfolgen. Schliesslich fährt das Feld nur 3 Runden auf der Nordschleife. Es kommt wie immer: Egal, was die Kommissare ihm ins Auto laden, Lopez gewinnt im Citroen. Rennen 2 verfolgte ich am Hatzenbach. Hier konnte man das Rennen eben nur an diesem Punkt verfolgen und den Rest im Radio oder, wer hatte, im 4G/LTE-Livestream. Bei mir hatte das nur mit WLAN auf der Tribüne funktioniert. Mittagspause. Ich hatte mich kurz nach 14:00 Uhr auf den Weg zum Start gemacht. Einigermassen überrascht musste ich feststellen, dass die Startaufstellung voller Fans war. Das hatte nirgendwo gestanden! Ich erhasche ein paar Bilder und will auf die Tribüne – voll. Die Ordner lassen keinen mehr rauf. Ich finde noch einen Platz auf der Fahrerlager Tribüne – jetzt konnte es losgehen. Die 3 Startgruppen setzten sich in Bewegung, besonders bejubelt das Nordschleifen-Original der Opel Manta u.a. pilotiert von Volker Stryzek. Und ziehmlich präzise um 15:30 Uhr ging das Feld auf die Reise. Polesitter Maro Engel kann sich die Meute erstmal vom Hals halten. Jetzt wird es doch finsterer am Himmel und es beginnt zu tröpfeln. Ich find jetzt doch einen Platz auf der überdachten Tribüne und kann auf der Videowand verfolgen, wie im Aremberg reihenweise die Autos einschlagen, weil dort ein heftiges Gewitter nieder gegangen war. Etwas weiter in der Fuchsröhre hagelt es so arg, das die Wagen nicht mehr weiter kommen. Die Helikopter Bilder präsentieren eine weisse Rennstrecke mit stehenden Rennwagen – die Rennleitung zieht den Stecker – Rennabbruch. Porsche Cup Urgestein Christian Menzel, diesmal im Aston-Martin im Wettbewerb, hatte berichtet: „Ich bin ausgestiegen und habe eine Schneeballschlacht mit den Fans gemacht. Sowas habe ich noch nie erlebt!“. Mein Spezl Markus Leger hatte bestätigt: „Ich fahre nun schon fast 25 Jahre Nordschleife, aber so etwas gab’s noch nie!“. Damit fiehl mein Ausflug in den Adenauer Forst b.z.w. zum Breidscheid erstmal ins Wasser. Nach 3 Einführungsrunden nimmt das Feld gegen 19:30 Uhr das Rennen im ströhmenden Regen wieder auf. Der Manta muss mit gerissener Kupplungsglocke und Folgeschäden passen. Kurz vor 21:00 Uhr finde ich mich zum Public Viewing des Champions League Finales Real gegen Athletico Madrid ein. Nebenbei schaue ich den Livestream des 24h-Rennens. In der Halbzeit geht Jörg Müller in Führung liegend der Motor am Schubert BMW M6 ein - Feierabend. Als es nach dem 1:1 in die Verlängerung geht, verlasse ich den Ort der Live Übertragung. Das Flair der nächtlichen Boxengasse zieht mich in seinen Bann. Ich mach noch einen Abstecher zum nächtlichen Hatzenbach. Hier ist es nun, das Nordschleifen-Feeling: Lagerfeuer, laute Musik, noch lauterere Rennwagen, es wird mächtig gebechert und es regnet eben. Real Madrid gewinnt die Champions League im Elfmeterschiessen. Weit nach Mitternacht mach ich mich Richtung Parkplatz auf. Der DJ hatte schon Feierabend, nur die Heavy Metal Fraktion, weiter weg, hatte noch nicht genug.

Bedeckt aber ohne Regen hatte der Sonntag begonnen. Ich hatte die „Südroute“ geplant. Der Bustransfer zum Brünnchen hatte gut funktioniert, weniger Leute als befürchtet. Ich kann mir an diesem schönen Abschnitt ein Bild der nächtlichen Party machen. Hyundai hatte hier eine grosse Videowand aufgebaut – so konnte man es doch aushalten. Wäre da nicht der viele Schlamm gewesen. Ich komme bald auf die Idee: „Wird denn nicht bald der Wander-Gummistiefel erfunden?“. Fussmarsch zum Pflanzgarten, immer mit Radio Nürburgring im Ohr. Schon am späten Nachmittag bargen die Fans an der Strecke Fahrzeuge und Wohnwagen aus dem Schlamm. Wenn der T4 sich bei dem Versuch den Caravan aus der verschlammten Wiese zu ziehen eingegraben hatte, fand sich auch immer ein Bulldog, den man noch davor spannen konnte – man hilft sich. Meine Wanderung endete am Schwalbenschwanz – Mittagspause. Auch hier eine schöne Stelle, auch weil man die Wagen in der Anfahrt sehen kann. So reicht es zu ein paar ganz passablen Bildern – was das Smartphone halt her gibt. Bald hatte ich mich wieder Richtung GP-Kurs auf den Weg gemacht und konnte die letzten 2h von der Tribüne aus verfolgen. Das Finaldrama nahm seinen Lauf. Christian Hohenadel im HTP Mercedes SLS musste in Führung liegend nochmal zum Tanken und kam 7,6 sek. vor Maro Engel im Black Falcon Mercedes SLS wieder auf die Strecke. Der Verfolger knallt bei der Aufholjagd die schnellste Rennrunde hin und und ist dran. 30sek. vor dem karrierten Tuch passieren die Kontrahenten nochmal die Ziellinie – letzte Runde. Engel bremst sich in der Ravenol-Kurve neben Hohenadel und rämpelt sich vorbei. Ein hartes, aber kein unfaires Manöver. Die Runde bringt keinen Konter mehr. Black Falcon im Mercedes SLS GT3 mit Maro Engel, Bernd Schneider, Adam Christodoulou und Manuel Metzger gewinnt ein verrücktes 24h-Rennen mit 5,6sek. Vorsprung dem knappsten Zieleinlauf aller Zeiten. HTP Mercedes mit Hohenadel, Buhk, Mücke und van der Zande müssen sich mit Platz 2 begnügen. Platz 3 der HARIBO Mercedes mit Alzen, Arnold, Götz und Seyffahrt. Mann des Rennens ist Maro Engel: Pole Position, schnellste Rennrunde und Überholmanöver in der letzten Runde zum Gesamtsieg. Im fernen, nicht weniger verregneten, Monaco gewinnt Louis Hamilton den Formel-1 GP.

17:00 Uhr mache ich mich auf den Heimweg. Natürlich lösst sich so eine Zuschauermasse, am Renntag sind etwa 70000 Zuschauer an der Strecke – über die gesamte Veranstaltung sind es um die 200000, nicht von jetzt auf gleich in Wohlgefallen auf. Aber der Veranstalter hat’s im Griff. Für mich geht die Fahrt nach 5h, endlosen Baustellen und schweren Unwettern zu Ende.

Als Resume bleibt eine interessante Erfahrung. Das Flair, besonders Nachts, ist sehr beeindruckend. Das Rennen an sich ist nicht so spannend. Die letzten Runden boten dieses Jahr eher eine Ausnahme. Normalerweise sind die Positionen am Vormittag mit Rundenabstand bezogen. Mit dem Livestream lässt sich das Rennen jederzeit gut verfolgen. Die Infrastruktur ist gut, die Preise im Rahmen. das WTTC Rennen ist wohl für die Fahrer eine Herausforderung, aber als Zuschauer würde ich mir eher einen Kurs aussuchen, wo die Wagen öfters live zu sehen sind.

 

Arndt Komorek